Das
Bergische Land ist gespickt mit genialen Motorradstrecken. Alle oder
auch nur einen Teil hier aufzulisten bzw. abzubilden, würde den Rahmen
bei weitem sprengen. Daher beschränke ich mich auf einige ausgewählte,
meiner Meinung nach ganz besonders herausragende Strassen und Stellen.
Aber auch das wird schon eine recht lange Liste. Immer mal wieder reinschauen, es kommt ständig was dazu!
First of all: Meine Hausstrecke Teil 1: Remscheid - Landhaus Fuchs
L
409 Habenichts - Kürten/Dhünn
L 409 Kürten/Dhünn - Halzenberg
Auf einer Länge von rund 26 Kilometern führt diese Strecke vom Ortsausgang Remscheid im Eschbachtal (Mebusmühle) über Wer- melskirchen, Kürten/Dhünn, Kürten und Kürten/Olpe zum Motorradtreff Landhaus Fuchs in Kürten/Unterbersten. Durch die typische Topologie der Region kommt nahezu Achterbahn-Feeling auf:Es geht von Remscheid runter ins Eschbachtal, rauf nach Wermelskir- chen, runter ins Eifgental, rauf nach Habenichts,runter nach Dhünn, rauf nach Halzenberg, runter zur Dhünn-Talsperre, rauf nach Neulaudenberg, runter nach Kürten,rauf nach Offermannsberg, runter nach Olpe und
schließlich den "Knallgasberg" wieder rauf zum Landhaus Fuchs in Unterbersten. Unterwegs geben Landschaft und Geläuf alles, was geht. Wald, Felder, Wiesen, Kurven aller Couleur und Strassenzustände
von Babypopo-glatt bis vollkommen
vom Frost ruiniert.Von Landstraßen der dritten Kategorie, auf denenzwei Autos gerade
noch an einander vorbei passen, bis
zur Bundesstrasse ist alles dabei.Letzteres allerdingsnur als zwei kurze Verbindungsstücke
einmal durch Wermelskirchen hindurch und ca. 300 Meter auf der B 506. Es gibt ohne den geringsten Zweifel keine zweite Strecke, die ichhäufiger gefahren bin als diese. Gefühlte 5000 Mal habe ich siein den 27 Jahren, die ich jetzt Motorrad fahre, unter die Rädergenommen. Diese 26 Kilometer fahre ich buchstäblich mitgeschlossenen Augen. Natürlich nur im übertragenen Sinn, denn wie überall im Bergischen ist auch hier immer Vorsicht geboten. Wer nicht vorausschauend fährt,
lebt hochgradig gefährlich. Bauern hinterlassen mit ihren Treckern
alle möglichen Rückstände auf der Strasse, Möchtegern-Schumis geraten mit
den Rädern neben die Strasse und
schmeissen diese mit Dreck voll, an Wochentagen sind LKWs und Linienbusse, an den Wochenenden unzähligeFahrradfahrer unterwegs.
Von schneckengleich durch die schöne Landschaft kriechen- den
Dosentreibern ganz zu schweigen. Und als ob das
alles noch nicht reicht, machen sich die zuständigen Behörden
immer mal wie- der den Spaß, besonders schöne Streckenabschnitte mitRollsplitt
zu übersähen. Da dies mit schöner Regelmässigkeit genau dort ge- schieht,
wo die Strassen in sehr gutem Zustand sind und somitnatürlich
zum Rasen einladen, dürfte klar sein, dass es hier nicht um asphaltpflegerische Massnahmen sondern um das Einbremsender Motorradfahrer geht.
Besondere
Erwähnung beim ersten Teil meiner Hausstrecke verdient die Landstrasse
L 409 zwischen Habenichts und Kürten. Hier fährtman sich buchstäblich schwindelig.
L 409 Kürten/Dhünn - Halzenberg
L 409 Halzenberg - Dhünn-Talsperre
L 409 Dhünn-Talsperre - Neulaudenberg
L 409 Dhünn-Talsperre - Neulaudenberg
K 30 Kürten - Kürten/Olpe
K 31 kurz vor Kürten/Unterbersten
Hausstrecke Teil 2: Landhaus Fuchs - Sieg
Weiter geht die Achterbahnfahrt duchs Bergische. Nach Ver- lassendes Landhaus Fuchs heissen die nächsten Stationen Hommerich,Hohkeppel und Vilkerath. Wieder ist eine Hügel- kette nach deranderen zu überwinden, äußerst wechselhafte Fahrbahnbelägesorgen weiterhin für Kurzweil und die Land- schaft springt zwischenWald, Wiesen und Feldern munter hin und her. Dass die Kurven kein Ende nehmen, versteht sich ei- gentlich von selbst, ich erwähne es nur noch einmal der Voll- ständigkeit halber.
K 38 Hommerich - Hohkeppel bei Müllemich
K
37 Vilkerath - Landwehr
K 37 Vilkerath - Landwehr
Nach
der Durchquerung des Naturschutzgebietes Naafbachtal hinter Vilkerath
gelangt man über die Ortschaften Landwehr, Gerling- hausen und Gibbinghausen nach Much, wohl der Knotenpunkt der Bergischen Landes. Und jetzt erwartet den Motorradfahrer ein besondersspektakulärer Streckenabschnitt: Die L 312 zwischen Much und Wersch. In abenteuerlichen Kurvenkombinationen mit mal zur Abwechslung
hervorragendem Belag windet sich die Strasse hoch nach Wersch, um
anschließend mit einem für das Bergische Land erstaunlich sanftem
Gefälle auf mehreren Kilometern wieder ins Tal zu führen. Noch einmal
wundervoll kurvig bergauf über Retscheroth nach Hambuchen und in ziemlich geradliniger Schussfahrt bergab, dann findet man sich in Ruppichteroth wieder.
L
312 Much - Ruppichteroth zwischen Much und Wersch
L 312 Much - Ruppichteroth
zwischen Much und Wersch
L
312 Much - Ruppichteroth kurz vor Retscheroth
L 312 Much - Ruppichteroth in Retscheroth
L 312 Ruppichteroth - Herchen/Sieg
L 312 Ruppichteroth - Herchen/Sieg
Zum letzten Mal überwindet die L 312 herrlich kurvig und leider miserabel alphaltiert einen langgestreckten, bewaldetenHöhenzug und stürzt sich dann hinunter ins Siegtal. In Herchenerreichen wir mit der Sieg die Südgrenze des Bergischen Landes.
Herchen/SiegPause im Treff Bikers Rast in Windeck-Dattenfeld
Hausstrecke Teil 3: Sieg - Engelskirchen
Nach der wohlverdienten Pause im Motorradtreff Bikers Rast folgt nun auf der Rückfahrt Richtung Remscheid der absolute streckentechnische Knaller: Die B 256 zwischen der Sieg und Waldbröl. Diese absolut geniale Bergauf-Passage beginnt mit schnellen, langgezogenen Kurven, die nach oben raus immer enger werden, bevor die Strasse sich in Richtung Waldbröl wieder ins Tal stürzt. Leider ist die obere Hälfte der Strecke an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt, so dass man einen stinklangweiligen Umweg fahren muss.
B 256 Sieg - Waldbröl
L 38 Waldbröl - Altennümbrecht
L 95 Oberelben - Homburg
K
25 Homburg - Marienberghausen
Drabenderhöhe
Ab Waldbröl folgt eine wunderbar schwungvolle und gefällarme Höhenpassage über Altennümbrecht, Oberelben, Homburg und Marienberghausen mit Endpunkt in Drabenderhöhe. Noch ein paar schöne Kurven auf der B 56 und dann wird´s ab dem Dörfchen Forst auchschon wieder eng und verzwickt auf der L 302 in Richtung Engelskirchen.
L 302 bei Kaltenbach
Hausstrecke Teil 4: Engelskirchen - Remscheid
Nach einer kurzen Verschnaufpause während der Ortsdurch- fahrt Engelskirchen folgt sofort der nächste Kracher: Die L299 über Eichholz nach Lindlar. Spektakulär kurvig und steil anstei- gend schraubt die Strasse sich durch dichten Wald auf die Höhe, bevor es wieder runter geht nach Lindlar.
L 299 Engelskirchen - Eichholz /\ V
Hier ist Vorsicht geboten! Der Asphalt hat schon bessere Tage gesehen und nach Niederschlag dauert es mangels intensiver Sonnenbestrahlung ewig, bis die Strecke abtrocknet.
Hinter Lindlar darf auf der Schwarzenbachstrasse ein letztes Mal ein breites, in gutem Zustand befindliches Asphaltband genossen werden, denn...
...jetzt wird´s eng! Auf der L 129 geht´s über Jörgensmühle nach Wipperfeld und auf der K 14 über Wickesberg nach Dreibäumen. Insbesondere die K 14 hat´s in sich: Handtuch- schmal und mit tierisch engen Serpentinen garniert - bitte sehr vorsichtig fahren!
L 129 vor Jörgensmühle
Auf
derart engen Strassen kann ein wenig göttlicher Segen
nicht K 14 Wipperfeld
- Wickesberg schaden... Die "Drei Kreuze" bei Kurtenbach.
Bergisch Born - Remscheid (Buchholzer Weg/Baisieper Strasse) Bergisch Born - Remscheid (Buchholzer Weg/Baisieper Strasse)
Die letzten Meter: Über Scheideweg und Dreibäumen gelangen wir nach Bergisch Born. Der wahrscheinlich allen motorisierten Rem- scheidern wohlbekannte, abermals mit superengen Serpentinen durchsetzte Schleichweg von Bergisch Born nach Remscheid-Baisiepen bildet den Abschluss der rund 170 Kilometer langen Hausstrecke, die das Oberbergische zweimal der Länge nach durchquert.
Burgtalstraße
Steil steigt die Burgtalstraße auf nur einem Kilometer Länge von Unter- nach Oberburg (Solingen) hinauf. Guter Asphalt und schö- ne Kurvenradien, die auch bei den erlaub- ten 50 km/h noch Spaß machen.
Eschbachtal
Diese knapp 6 Kilometer zwischen Remscheid- Mebusmühle und Solingen-Burg haben es in sich. Aus gutem Grund komplett geschwindigkeitsbe- schränkt windet sich die einigermassen asphaltierte Straße zusammen mit dem Eschbach durch ein en- ges Tal. Auf dem ersten Abschnitt zwischen Mebus- mühle und Wermelskirchen-Preyersmühle ist im Sommer erhebliche Vorsicht angesagt. Dort pas- siert man das Remscheider Freibad und da ist an freien Tagen und bei schönem Wetter natürlich die Hölle los! Wer niemanden totfahren möchte, sollte sich unbedingt an die erlaubten 50 Km/h halten.
Morsbachtal
Auf 9 Kilometern Länge schlängelt sich das Morsbachtal von Müngsten bis Haddenbach um das Remscheider Stadtgebiet herum und bildet dabei dessen Nordgrenze zu Wuppertal. Das idyllische Tal ist nichts für Raser, es ist komplett auf 50 km/h beschränkt. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als mich nach einem brüllend heissen Sommertag am Abend auf einer ganz kurzen Fahrt durchs Morsbachtal abzukühlen - mit 50 km/h und Jethelm.
Hilgener Straße
Eine der tollsten Strecken des Bergischen Landes! Dreieinhalb Kilometer Kurvenorgie auf feinster Asphaltdecke. Holzkreuze am Straßenrand erinnernan die Opfer, die diese Strecke bereits gefordert hatund gemahnen zur Vorsicht. Die Strecke verläuft zwischen Hilgen und Dabringhausen.
Klingenring
Eine alte Bergrennstrecke zwischen Wupperhof und Orth/Wolfstall, das zu Witzhelden gehört. Kurz, kurvig, schmal undgefährlich, da einem auch mal ein Bus entgegenkommen kann. Muß man gefahren haben, aber bitte Vorsicht!
Der "Knallgasberg"
Von Kürten-Olpe kommend passiert man auf dem Weg zum Motorrad-Treff Landhaus Fuchs den "Knallgasberg". Hier steigt die Straße auf mehreren hundert Metern steil und ziemlich gerade an. Praktisch jeder Motorradfahrer nutzt diesen Berg für volle Beschleunigung. Aufgrund der von einigen Unbelehrbaren immer noch gefahrenen Krawall- tüten kann man die im am Fuß des Berges gelegenen Hauses wohnenden Leute nur aufrichtig bedauern...
L 310 Altenberg - Blecher
Nur knapp zwei Kilometer, aber die 180 Grad-Kurven sind einfach genial! Bestens asphaltiert und breit - hier kann man wunderbar die Rasten kratzen lassen, ohne ein allzu großes Risiko einzugehen. Leider ist es wie ein Sechser im Lotto, wenn man diese Straße mal ohne störenden Verkehr antrifft und überholen is nich...
ist zumindest nicht erlaubt...
Uelfetal
Nördlich von Radevormwald bildet das Uelfetal die natürliche Grenze zu Wupper- tal. Rund 6 Kilometer leider mittlerweile nicht mehr sonderlich gut alsphaltiertes Kurvenvergnügen zwischen Rade und Dahlhausen.
Neschener Strasse
Von Altenberg aus windet sich die Neschener Strasse in Serpentinen durch den Wald auf das Neschener Hochplateau. Etwas weniger kurvig, ohne Wald und daher gut zu überblicken geht´s dann weiter bis zur "Eselstadt" Bechen.
K 19 Lindlar - Bickenbach
Kaum eine andere Strecke im Bergischen lädt derart zum Rasen ein wie diese knapp 3 Kilometer. Breit, gut asphaltiert und gesegnet mit perfekten, lang gezogenen Kurven stürzt sich die K 19 hinter Lindlar steil hinunter ins Tal. Seit Jahren versuchen die Behörden dem Treiben der Motorradfahrer mit Geschwindigkeitsbegrenzungen (Tempo 70), doppelten durchgezogenen Mittellinien und häufigen Kontrollen entgegenzuwirken - es hilft nichts. An sonnigen Wochenendtagen versammeln sich immer wieder ganze Trupps Gehirnamputierter (sorry, aber ich finde keine andere Bezeichnung) und ballern dutzende Ma- le rauf und runter - bis zum nächsten schweren Unfall. Wenn
in den Köpfen einiger Leute nicht bald etwas passiert, dürfte es wohl
nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die K 19 zumindest an den Wochenenden für Motorradfahrer gesperrt wird. Im Vorgriff hierauf möchte ich mich bereits heute bei den dafür verantwortlichen Schwachköpfen bedanken.
Anmerkung: Der oben stehende Text ist mittlerweile überholt. Am 18.08.2011 war es soweit, die K 19 wurde an Wochenenden, Feiertagen sowie an Wochentagen zwischen 17 und 22 Uhr für Motorradfahrer gesperrt. Nochmals herzlichen Dank an die für diese behördliche Massnahme verantwortlichen Motorrad-"Kollegen".
K 13 Halver/Schwenke - Kierspe
Ein rund 13 Kilometer langes, schmales Strässchen schlängelt sich in der Nähe der Bever-Talsperre durch die Landschaft wie ein kleiner Fluss. Nix zum Rasen - trotz der sehr guten Asphaltqualität - weil viel zu schmal. Die Breite übertrifft die einer Fahr- spur auf normalen Landstrassen zweiter Ord- nung nur unwesentlich. Hier ist man mit einem Chopper richtig unterwegs.
L 279 Katzwinkel - Friesenhagen
Ja, ich geb´s zu, diese Strecke befindet sich nicht im Bergischen, sondern im Westerwald, wenn auch nur so gerade eben... Aber sie muss hier einfach mit rein, denn diese 10 Kilometer sind einfach die Wucht in Tüten! Todesgeile Kurven, ständiges Hoch und Runter und das alles auf absolut makellosem Asphalt. Ohne den geringsten Zweifel ist das eine der genialsten Strecken. die ich außerhalb der Alpen kenne. Die Nürburgring-Nordschleife lässt grüssen!